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WLAN richtig konfigurieren - Tipps für eine stabile und schnelle Verbindung

Schlagwörter: Performance, WLAN, Wifi, Router

WLAN richtig konfigurieren - Tipps für eine stabile und schnelle Verbindung

Einleitung

Bei der Nutzung von WLAN kommt es hauptsächlich auf die Hardware an. Wenn man aber trotz teurer Hardware und kurzer Distanz häufige Verbindungsabbrüche und wenig Bandbreite hat, liegt es oft schlicht an einer falschen Konfiguration.

Tipps zu Hardware und Kaufempfehlungen sind in diesem Artikel zusammengefasst. 

Hinweise zur Konfiguration

Wenn man sein WLAN optimal konfigurieren möchte, sollte man sich zunächst etwas Hintergrundwissen aneignen und die Technologie grundlegend verstehen. Dabei gibt es mehrere Aspekte, die von besonderer Bedeutung sind.

Verschiedene Standards

Für WLAN gibt es verschiedene Standards. Der aktuellste und einzig empfehlenswerte Standard für eine Neuanschaffung ist 802.11ac.

Überblick der für Verbraucher relevanten Standards
Standard Frequenz Geschwindigkeit Veröffentlichung
802.11a 5GHz 54Mbit/s 1999
802.11b 2,4GHz 11Mbit/s 1999
802.11g 2,4GHz 54Mbit/s 2003
802.11n 2,4GHz und 5GHz 150Mbit/s bis 600Mbit/s 2009
802.11ac 2,4GHz und 5GHz 433Mbit/s bis 6,93Gbit/s 2013

Um die höchste Geschwindigkeit und Reichweite zu erziehlen, muss also Hardware der neuesten Generation verwendet werden. Zu beachten ist, dass immer beide Seiten (Router und Client) den gleichen Standard verwenden müssen, um die mögliche Geschwindkeit zu erzielen.

Unterstützt die WLAN-Karte z.B. nur 802.11ac (866Mbit) und der Router 802.11ac (1200Mbit) können maximal 866Mbit erreicht werden, was einer theoretischen Maximalgeschwindigkeit von ca. 100MB/s entspricht. In der Praxis bleibt davon aber weit weniger übrig.

Basiswissen

  • Es gibt zwei relevante WLAN Frequenzbereiche: 2,4GHz und 5GHz
  • Für jeden dieser Frequenzbereiche gibt es mehrere Kanäle, von denen einer ausgewählt wird (meist automatisch), um das WLAN zu betreiben. Ist dieser Kanal bereits von einem nahegelegenen WLAN belegt (z.B. von einem Nachbarn), kann es zu Störungen und Verbindungsabbrüchen kommen
  • Höchstgeschwindigkeiten werden durch Bündelung erreicht, d.h. die parallele Übertragung von Daten durch mehrere Antennen (z.B. 150Mbit bei einer Antenne, 300Mbit bei 2 Antennen, etc.)
  • Die Anzahl, Größe und Form der Antennen beeinflusst zwar die Verbindungsgeschwindigkeit und -qualität, ist jedoch nicht proportional (mehr oder größere Antennen sind nicht automatisch besser)
  • Zimmerpflanzen, massive Gegenstände oder Stahlbetonwände in unmittelbarer Nähe der Geräte können die Verbindungsqualität und die Reichweite stark negativ beeinflussen
  • Die Anzeige unter Windows/Linux/Mac für die Verbindungsgeschwindigkeit in der Taskleiste sagt gar nichts über Stabilität oder Geschwindigkeit der WLAN-Verbindung aus. Lediglich auf den verwendeten Standard lassen sich damit Rückschlüsse ziehen (300Mbit/s bedeutet z.B., dass der 802.11n Standard verwendet wird)
  • Bei Messungen sollte Spezialsoftware verwendet werden (z.B. inSSIDer für Kanalscan, jperf für Performancemessung, etc.)
    • Je niedriger der Rauschpegel (Noise), desto besser (-90 ist besser als -50)
    • Je höher die Signalstärke (Signal), desto besser (-24 ist besser als -51)
  • Die Qualität der Verbindung hängt neben dem Standard hauptsächlich vom verwendeten WLAN-Chipsatz und vom Treiber bzw. der Routerfirmware ab
    • Teilweise sorgen schlechte Treiber für eine schlechte Verbindungsgeschwindigkeit, bei Problemen kann also ein Treiber oder Firmware-Upgrade helfen
    • Router verfügen meist über bessere Chipsätze und speziell optimierte Treiber in der Firmware, daher kann es für hohe WLAN-Anforderungen sinnvoll sein, statt einer WLAN-Karte (z.B. USB-Stick) einen zweiten Router zu verwenden und diesen als Bridge zu konfigurieren (siehe Kapitel "Expertenwissen").
    • Unter Linux werden nur bestimmte Chipsätze unterstützt und die Treiber sind nur für wenige Chipsätze optimal umgesetzt

WLAN richtig Konfigurieren

Die richtige Frequenz und den richtigen Standard verwenden

  • 2,4GHz: Höhere Reichweite, störanfälliger, langsamer
  • 5 GHz: Kürzere Reichweite, stabiler, schneller
  • Also wenn möglich, sollte man 5GHz verwenden (802.11ac verwendet automatisch 5GHz)

Den richtigen Kanal wählen (egal ob 2,4 oder 5GHz)

  • Mit einer Spezialsoftware die bereits belegten Kanäle der WLAN-Zugriffspunkte in der Nähe überprüfen und einen Kanal möglichst weit entfernt von bereits belegten Kanälen wählen
    • Haben Nachbarn die Kanäle 4, 6 und 8 belegt, empfiehlt es sich, Kanal 1 oder Kanal 11 für den eigenen Router zu wählen
    • Sind bereits alle Kanäle belegt (z.B. in einer Großstadt), sollte man einen bereits belegten Kanal mit der schwächsten Signalstärke konfigurieren

WLAN Bridge (Brücke)

  • Verwendet man zwei oder mehr Router, um eine so genannte Bridge zu konfigurieren, halbiert sich mit jedem Gerät die Geschwindigkeit der Übertragung. Verwendet man also eine Bridge von 2 Routern mit einer Geschwindigkeit von 300Mbit / s mit dem Internet und verbindet sich mit einem Laptop, kann dieser mit maximal 150Mbit übertragen. Mehr dazu ist im Kapitel "Expertenwissen" nachzulesen.

Richtwerte für Geschwindigkeiten

Um abzuschätzen zu können, ob das eigene WLAN die optimale Geschwindigkeit erziehlt, hier einige Richtwerte aus der Praxis zum Vergleichen:

  • 802.11n: 
    • 5MB/s (akzeptabel)
    • 8MB/s (gut)
    • ab 12MB/s (optimal)
    • weniger als 5MB/s deuten auf ein Problem hin
  • 802.11ac: 
    • 15MB/s (akzeptabel)
    • 25MB/s (gut)
    • ab 35MB/s (optimal)
    • weniger als 15MB/s deuten auf ein Problem hin

Router-Firmware

  • Die Firmware ist das "Betriebssystem" des Routers
  • Upgrades gibt es in der Regel auf der Homepage des Herstellers (auch für ältere Geräte)
  • Upgrades sollten immer über eine Kabelverbindung eingespielt werden (Verbindungsabbrüche oder Stromausfall können zur Beschädigung des Routers führen), dies geht in der Regel über das Web-Interface via Upload-Formular in den Systemeinstellungen
  • Oft lassen sich Probleme unterschiedlicher Art (Performance, Verbindungsabbrüche) mit einem Firmware-Upgrade vermindern oder ganz lösen und es kommen neue Funktionen hinzu
  • In sehr seltenen Fällen treten mit der aktuellsten Firmware Probleme auf, die es vorher nicht gab (ein Downgrade ist hier meistens möglich)
  • Empfehlung: Immer die neueste Firmware verwenden, es sei denn, es gibt bekannte Probleme mit der aktuellsten Version

Expertenwissen

Eine WLAN-Bridge für hohe Anforderungen

Bei hohen Anforderungen an Verbindungsqualität und -geschwindigkeit kann man, statt eine WLAN-Karte und einen WLAN-Zugriffspunkt / Router zu verwenden, zwei WLAN-Zugriffspunkte / Router über WLAN miteinander verbinden (auch: WLAN-Bridge). An die Netzwerk-Schnittstellen der Router können nun Geräte per Netzwerkkabel angeschlossen werden. Ein Router agiert dadurch in diesem Fall so ähnlich, wie eine WLAN-Karte. Durch die speziell angepasste Firmware der Router, die höhere Antennenzahl und die meist bessere Chipsatzqualität lassen sich so richtig konfiguriert sehr viel höhere Geschwindigkeiten erziehlen, als mit einer normalen WLAN-Karte. Folgendes ist dabei zu beachten:

  • Bei einem Router muss der DHCP-Server (automatische Vergabestelle für IP-Adressen) deaktiviert werden (möglichst bei dem Gerät, dass nicht direkt ans Internet angeschlossen ist)
  • Beide Router müssen eine unterschiedeliche IP haben, die aber im gleichen Netz ist (z.B. 192.168.1.1 und 192.168.1.2)
  • Möglichst die Frequenz 5GHz für die Brücke verwenden
  • Jeweils die gleiche SSID konfigurieren (der WLAN-Name, z.B. "MeinWlan")
  • Jeweils das gleiche WPA2-Passwort konfigurieren
  • Unterschiedliche Kanäle konfigurieren (siehe "Den richtigen Kanal wählen")
  • Wenn WDS gewünscht ist, WDS aktivieren (Falls man nicht weiß, was das ist, kann dieser Tipp ignoriert werden)
  • Ist die Verbindung hergestellt, können nun an jeden Router Geräte per Netzwerk oder WLAN verbunden werden

Offene Firmware (DD-WRT, OpenWRT, etc.)

  • Meistens basiert die Original-Firmware eines Routers auf einer sehr angepassten Linux-Version
  • Neben der Original-Firmware vom Hersteller gibt es auch verschiedene kostenlose quelloffene Firmware (DD-WRT, OpenWRT, FreeWRT und viele mehr)
  • Diese basieren auch auf Linux und werden von freiwilligen Spezialisten kostenlos weiterentwickelt
  • Auf vielen Routern lässt sich diese Firmware mal mehr und mal weniger problemlos installieren (meist aber ohne Aufschrauben oder Löten)
  • Vorteil: Mehr Features und Einstellmöglichkeiten, teilweise Paketmanagement mit nahezu beliebiger Software (IPv6, Torrent, Media-Server, TOR, etc.)
  • Nachteile: Experten-Know-How erforderlich, viel Bastelarbeit, oft geringere Performance je nach ausgewählter Software und mangelnde Stabilität (nicht immer, aber oft)
  • Grundsätzliche Empfehlung bezüglich WLAN: Nicht verwenden! Man kann Tage mit der Installation+Konfiguration verbringen ohne die WLAN-Qualität zu verbessern
  • Hinweis für Experten: Mit dem entsprechenden Know-How kann man einen sehr günstigen VPN-Gateway oder andere netzwerk- oder routingspezifische Spezialhardware bekommen, und es lohnt sich ein Blick in die "Supported Hardware"-Liste der Firmwareentwickler. Gerade bei großen Netzwerken oder Konfigurationen, wo viele gleiche Hardware-Bausteine benötigt werden, lässt sich so eine Menge Geld sparen. Jedoch sind gerade bei WLAN *nix-Systeme sehr "launisch" und muss man sich fragen, ob dann gänzlich andere Lösungen ohne WLAN mit besonders stabilen BSD-Systemen nicht sinnvoller sind.